Lametta am Baum: Wie wir die komplette erste Google-Seite eingenommen haben
2014 war SEO noch der Wilde Westen des Online-Marketing. Manche Websites wurden bei Google einfach besser gefunden, als andere. Und so richtig wusste niemand, was die entscheidenden Faktoren waren.
Es gab kaum belastbare Daten, dafür jede Menge Meinungen. Genau in dieser Zeit bin ich in die Selbständigkeit gestartet, mit meinem ersten eigenen StartUp – einer Suchmaschine für gebrauchte Musikinstrumente. Zwei Jahre später gehörte uns die komplette erste Google-Seite für unsere wichtigsten Suchbegriffe. Am Ende wurde daraus ein Joint Venture mit dem größten Musikinstrumentenhändler der Welt.
Bevor ich erzähle, wie das gelaufen ist, kommt der wichtigere Teil: was davon bis heute funktioniert.
Fünf heftige Learnings, die jede SEO-Strategie zum Erfolg bringen
Eine gute SEO-Strategie beginnt IMMER im Kopf der Zielgruppe. Es ist IMMER die Positionierung und wie sich die Zielgruppe damit identifiziert.
Wer seine alte Gitarre verkaufen will, sucht nicht nach „Marktplatz für Musikinstrumente”. Er tippt „Gitarre verkaufen” ein und klickt auf die ersten Ergebnisse. Dieser hochrelevante Traffic mit “Handlungsabsicht” kam dann auf einer meiner Websites an. Denn es war nicht nur eine Website, sondern eine ganze Sammlung an Websites rund um das Thema “Gebrauchte Musikinstrumente”. Und jede dieser Websites empfahl den Verkauf auf meiner Plattform oder empfahl eine Suche mit meiner Suchmaschine.
Dabei war ein wichtiges Learning: Sei authentisch oder verschwinde.
Authentische Ansprache für Klicks in den Suchergebnissen und Aktion auf der Website
Eine Website, die exakt eine Zielgruppe bedient, gewinnt gegen alle Seiten, die irgendwie alle anzusprechen versuchen. Musiker merken innerhalb von zwei Sekunden (Bassisten in 5 Sekunden) , ob eine Plattform von jemandem gebaut wurde, der selbst Musik macht.
Gitarristen haben ihren eigenen Humor, Keyboarder sowieso und Schlagzeuger… naja… Schlagzeuger halt… Die lesen irgendwie eh alles.
Wichtig ist, im Kopf der Zielgruppe zu denken und zu handeln. Wenn ich also möchte, dass ein Gitarrist seine Gibson Les Paul auf meinem Portal verkauft, dann muss ich mir den Weg von der ersten Entscheidung “Ich will verkaufen” über “Wie läuft ein Verkauf” bis “Gitarre versenden” strategisch ausmalen. Und dann biete ich fachlich fundiertes Wissen zu genau diesen Fragen an. Auf Websites, die sich ausschließlich zu diesem Thema äußern.
Kontextsensitiv und holistischer Content sind hier die wichtigen Schlagworte.
Wenn ich alles auf Seite 1 habe, dann bekomme ich den Besucher auf jeden Fall.
NIEMAND klickt bei Google auf Seite Zwei (Lies hierzu auch unseren SEO Hackaton mit der “Rank Or Die On Page Two” Challange). Menschen sind sehr bequem und klicken immer auf die ersten Ergebnisse bei Google. Mit gutem SEO kommt man auf diese wichtigen Positionen. Und meist reicht es, mit nur einem Suchbegriff auf Rang 1 zu sein, statt mit allen auf Rang 10.
Mein Netzwerk aus eigenen Themenwebsites war also sehr dicht vernetzt, bot fachlich kompetente Inhalte und damit war die erste Seite bei Google von meinen Ergebnissen besetzt. Auch leichte Änderungen der Google Rankings, die immer mal wieder vorkommen, hatten keine Auswirkung auf die Dichte meiner Websites zum Thema “Gebrauchte Musikinstrumente”.
Es ist völlig egal, auf welches Ergebnis ein Nutzer klickt, wenn alle Ergebnisse auf Seite 1 von Dir stammen. Der Nutzer landet so oder so bei Dir. Das ist die stabilste Form von Sichtbarkeit, die es gibt. Und für den User auch die authentischste, da er Vergleichsmöglichkeiten hat. Wichtig hierbei: Alle Websites hatten ein transparentes Impressum und alle Seiten verlinkten sich untereinander. Auch sprachen wir immer von “unser Netzwerk”, damit der User stets wusste, dass er auf Angeboten des gleichen Unternehmens ist.
Lohnt sich ein eigenes Linknetzwerk mit mehreren Websites 2026?
Ein eigenes Linknetzwerk mit mehreren Websites kann sich durchaus auch 2026 lohnen. Man muss sich einfach bewusst sein, dass es unfassbar viel Zeit kostet, das aufzubauen. Denn jede Website braucht Inhalte. Und das sind nunmal nicht irgendwelche KI-generierten seelenlosen AI-Slob Texte, sondern müssen echte Mehrwerte sein. Relevante Infos, gute Bilder, informative Grafiken. Antworten auf Fragen, die dem Besucher schnell helfen.
Dazu brauchst Du starke Domains, die im besten Fall schon eine Historie haben. Echte und vor allem relevante Backlinks, saubere thematische Nähe, wachsende Domain Authority, Mentions und User-Signals und vor allem Geduld. Und jede Menge Zeit. Wer das halbherzig macht, merkt nach Wochen, dass er auf dem falschen Weg ist. Und dann ist schon Zeit und Geld verschwunden für eine oder mehrere Websites, die nichts bringen.
Möglich und günstiger ist es dabei auch, sich mit anderen Websitebetreibern und Blogs zusammen zu schließen und in Linkpartnerschaften zu investieren.
Und die unbequemste Erkenntnis zum Schluss: Rankings sind vergänglich. Bleibst du nicht dran, sind sie nach zwei, drei Jahren wieder weg. SEO ist ein f*ckin Marathon, den man wild entschlossen gehen muss. Und auch das webdesign und das kontinuierliche Erstellen von Inhalten auf der Website. Denn wer aufgibt, verschwindet langsam wieder aus den Rankings.
Zurück zum Case: Suchmaschine für gebrauchte Musikinstrumente
Gebrauchte Musikinstrumente gab es 2014 verstreut über dutzende Portale. ebay Kleinanzeigen war irgendwie grad von ebay abgespalten worden, eBay war noch eine echte Auktionsplattform mit coolen Angeboten aus der ganzen Welt und in Foren und auf Websites regionaler Zeitungen konnte man ebenfalls Instrumente finden.
Der Schmerz: Wer eine bestimmte Gitarre suchte, klapperte fünf Seiten ab, verlor den Überblick und sah einige Inserate doppelt, wenn sie an verschiedenen Stellen veröffentlicht wurden.
Die Lösung: Eine Suchmaschine, die alle Inserate aggregiert, also von den Quellseiten zusammensammelt und zentral ausspielt. Mit Filter gegen doppelte Inserate und für Sammler von Vintage Gitarren mit Sortierung nach Baujahr.
Also habe ich Geardude.net gebaut, die erste Suchmaschine für gebrauchte Musiksintrumente. Sie durchsuchte die relevanten Portale und spielte alle Treffer zentral aus. Eine Suche statt fünf. Technisch spannend, für Google aber ein Problem, da alle Inhalte dynamisch waren und Google nichts hatte, was es indizieren konnte.
Learning: Warum rankt meine Website nicht?
Wenn Deine Website zu wenig Inhalte hat, dann ist sie für Google nicht relevant. Hier musst Du auf das sg. Crawl-Budget achten und durch noindex unnötige Inhalte wie Datenschutzerklärung, AGB oder Impressum von Google ausschließen. Denn je dichter Dein holistischer Content ist, desto hochwertiger bewertet Google die Inhalte.
Ich erinner mich sehr gut an diese Zeit. Du entwickelst eine Suchmaschine, sitzt nachts mit Entwicklern an Datenbanken und Crawlern und hast ein wirklich starkes Produkt. Aber bei Google erscheint Deine Suchmaschine nicht.
Und irgendwann findest Du raus, dass Google außer Deiner schon gestylten Startseite keine Inhalte zum indizieren hat. Denn Deine Suchergebnisse sind dynamisch in einer Datenbank. Es gab keine Texte, keine Substanz, nichts, worauf eine Suchmaschine ein Ranking hätte aufbauen können. Also kam ein Blog dazu, mit Inhalten zu gebrauchten Instrumenten, zum Gitarrelernen, zu Effektgeräten.
SEO 2014 – keine Ahnung aber sehr viel Meinung
Wir folgten den Google-Blogs, lasen Beiträge auf Online Marketing Websites, folgten den Google Mitarbeitern auf Facebook und tauschten uns in Foren zu den wildesten SEO-Theorien aus. Und so entwickelte jeder für sich eine eigene SEO-Strategie.
Damals wusste niemand verlässlich, welche Faktoren wirklich zählen. Die Zugriffszahlen stiegen meist zeitverzögert. weshalb wir jede Änderung protokollierten und dann liegen lassen mussten. Auch aus diesem Grund brachten wir verschiedene Websites an den Start, um einfach schneller testen zu können. Wir hatten zum ersten Mal ein Gefühl dafür, woran es tatsächlich liegt und was Rankings in den Suchmaschinen wirklich beeinflusst.
Vom eigenen Crawler zum eigenen Marktplatz
Die gecrawlten Inserate hatten keine einheitliche Struktur. Jede Plattform lieferte anders, jede Änderung dort bedeutete Arbeit bei unserem Team. Crawler und Datenbank ständig nachzuziehen war auf Dauer keine Basis für ein Geschäft. Auch kam uns ein Gesetz zum Schutz der Datenbanken (aus den 1990er Jahren!!!) in die Quere, das verbot, Datenbanken zu crawlen. Wir mussten also von jeder einzelnen Kleinanzeigenbörse eine schriftliche Genehmigung einholen und zusichern, die Ergebnisse nur nachts zu crawlen, um die Server zu schonen. An APIs war nicht zu denken, also crawlten wir mit eigenen Crawlern bzw. WebScrapern.
Es wurde immer offensichtlicher, dass die beste Qualität von eigenen Inseraten kommen würde. Diese durfte ich auf Geardude nicht ermöglichen, da dies von den kooperierenden Kleinanzeigenportalen untersagt wurde.
Also habe ich 2015 die Plattform Muckerbox.de gestartet. Ein modernes Kleinanzeigenportal ausschließlich für Musikinstrumente. Zugeschnitten auf die Zielgruppe, im richtigen Look, und vor allem mit den Filtern, die Musiker wirklich brauchen. Wer nach einer ES-335 in einer bestimmten Preisklasse sucht, will nicht durch Waschmaschinen scrollen.
Die Domain Muckerbox.de kaufte ich von einem Unternehmen, das darauf eine Website für Audio Anlagen hatte. Die Website war abgeschaltet, auf der Domain gab es aber interessante Backlinks von Branchenmagazinen und relevanten Websites und Blogs. Also kaufte ich die Domain und startete direkt mit einem SEO-Vorteil, der einige Jahre Aufbauarbeit erfordert hätte. Und ich hatte nie die Geduld für sowas.
SEO-Hack für Fokus und die richtigen Kunden: Eine Domain für ein einziges Keyword
Ein Marktplatz ohne Inserate ist wertlos. Die eigentliche Aufgabe war also nicht, Käufer zu finden, sondern Verkäufer. Dafür habe ich gitarre-verkaufen.com veröffentlicht. Eine komplette Website, die sich mit nichts anderem beschäftigt als dem Verkauf einer Gitarre. Diese Fokussierung hat gereicht für Platz 1 auf Google gereicht. Und Platz 1 bei „Gitarre verkaufen” hieß: Muckerbox bekam mehr Inserate als die etablierten Plattformen. Ein einziges Keyword, sauber besetzt, hat ein ganzes Portal gefüllt. Und wenn eine Website, die für ein Keyword auf Rang 1 rankt, auf genau eine einzige andere Website in dem Thema verlinkt (ja, mit “DoFollow”), dann pusht das genau diese eine Seite ganz enorm nach oben. Und so war Muckerbox in kürzester Zeit auf den vordersten Rängen bei Google fest etabliert.
Wie aus einzelnen SEO-Websites ein Link-Netzwerk wurde
Als dieser Proof of Concept erfolgreich war, habe ich das Linknetzwerk systematisch ausgebaut. Ich habe Expired Domains mit Historie gekauft sowie kleinere Musikportale oder Blogs, die zum Verkauf standen. Alle Seiten waren thematisch sinnvoll und aus dem Kontext heraus untereinander verlinkt.
Ende 2015 war die erste Google-Seite zu „gebrauchte Musikinstrumente”, „Gitarre verkaufen” und weiteren Suchen praktisch komplett von uns besetzt. Diese Sichtbarkeit ist niemandem entgangen. Auf der Musikmesse 2016 kam der größte Musikinstrumentenhändler der Welt auf uns zu und bot ein JointVenture an. daraus entstand Louder.com, in das wir unsere Learnings eingebracht haben.
Aus diesem Joint Venture entstanden dann wieder völlig neue Learnings. Denn Louder.com war richtig großes Level und der Angriff auf ebay und reverb.com. Die Geschichte hierzu werde ich in einem separaten Artikel vorstellen. Das würde jetzt den Rahmen sprengen. Die Learnings finden sich in unseren StartUp-Coachings und sind gerade in der Verhandlung mit Investoren, Zieldefinition, Asset-Management etc. hoch spannend.
Was du daraus mitnimmst
Diese SEO-Strategie hat kein großes Budget gebraucht, sondern eine klare Sicht auf die Zielgruppe und die Bereitschaft, zwei Jahre dranzubleiben. Kreativität schlägt Budget, aber sie braucht Ausdauer.
Du willst wissen, wie viel Platz auf Seite 1 für dich noch frei ist? Schreib uns. Wir schauen uns dein Suchumfeld an und sagen dir ehrlich, wo der Hebel liegt.





